Ein Kunstprojekt - Vier Skulpturen zum Reformationsjubiläum

Vier Großskulpturen erinnern an zentrale Glaubensgrundsätze der Reformation
Zurück zur Karte

Feierliche Einweihung der Sola Scriptura in Lesse

 

Im Oktober 2017 Enthüllung von Sola Gratia in Groß-Denkte

 

Steine des Glaubens: Dritte Skulptur in Lesse eingeweiht

Das Örtchen Lesse wird um eine Attraktion reicher. In dem Stadtteil von Salzgitter wurde jetzt die Skulptur „Sola Scriptura“ des Braunschweiger Künstlers Magnus Kleine-Tebbe eingeweiht. Das drei Tonnen schwere Kunstwerk aus weißem Marmor gehört zu dem Kunstprojekt „Steine des Glaubens“, das aus Anlass des 500-jährigen Reformationsjubiläums in der Landeskirche Braunschweig verwirklicht wird. Bis 2017 werden insgesamt vier große Skulpturen von Kleine-Tebbe aufgestellt. Das einmalige Projekt ist eine Kooperation zwischen der Stiftung Prüsse und der evangelischen Landeskirche Braunschweig, Schirmherr ist Landesbischof Dr. Christoph Meyns.

Vor rund 300 Besuchern dankte Oberlandeskirchenrätin Brigitte Müller im Rahmen einer Andacht dem Stifter-Ehepaar Karin und Jochen Prüsse und dem Künstler Magnus Kleine-Tebbe für ihr Engagement. Das Kunstwerk am Rande eines Ackers werde Neugier wecken und die Betrachter zu vielen Fragen veranlassen. Ebenso wie die anderen Skulpturen steht auch das Kunstwerk in Lesse in der freien Natur. Der zwei Meter hohe, weiße Marmor zeigt eine geöffnete Bibel, aus der als Sinnbild für Weisheit und Güte ein ebenmäßiger Frauenkopf herausschaut. Auf der einen Seite des Buchdeckels befindet sich ein aufsteigender Schwan, der als Symbol für die Reformation steht und zugleich an eine dunkle Seite der Kirchengeschichte erinnert, die Hinrichtung des tschechischen Reformators Jan Hus. Ohr und Feder auf der anderen Seite des Buchdeckels sind bildhafter Ausdruck für das gehörte und geschriebene Wort.

Mit den Kunstwerken soll an die zentralen Erkenntnisse der Reformation erinnert werden: die Heilige Schrift, Jesus Christus, die Gnade, den Glauben. Stifter Joachim Prüsse will mit dem Kunstprojekt etwas Bleibendes schaffen, das über das Lutherjahr 2017 hinaus Bestand hat: „Für mich sind die Skulpturen eine Art Grenzsteine oder Landmarken für die Erkenntnisse, die Luther postuliert hat.“ Zu dem besonderen Kunstprojekt gehören die bereits aufgestellten Skulpturen „Solus Christus“ in Braunschweig-Bienrode und „Sola Fide“ (Allein aus Glauben) in Hornburg. Abgeschlossen wird die kreuzförmige Anlage der Skulpturen im kommenden Jahr mit dem Kunstwerk „Sola Gratia“ (Allein aus Gnade) in Groß Denkte (Kreis Wolfenbüttel). Auf das Projekt macht seit dem Sommer ein mehr als drei Meter hoher Christuskopf aus Eichenholz aufmerksam, der vor der evangelischen Kirche in Salzgitter-Lesse steht.

Der Künstler Magnus Kleine-Tebbe zählt zu den wenigen Bildhauern in Deutschland, die vor allem figürlich arbeiten und dies unter der Sinnhaftigkeit christlicher Gedanken. Er hat in Nürnberg ein Studium zum Akademischen Bildhauer absolviert und arbeitet seit 1994 in Braunschweig. Kleine-Tebbe hat bereits während seiner Assistenzzeit bei dem Braunschweiger Professor Jürgen Weber eindrucksvolle Arbeiten geschaffen. Sie dokumentieren sein ausgeprägtes Formgefühl bei der Darstellung menschlicher Gestalten. Ebenso charakteristisch ist seine Vielseitigkeit: Steinbearbeitung, Bronzegießen und Formenbau gehören genauso zu seinen Fertigkeiten wie Zeichnen und Modellieren. Darüber hinaus bildet er angehende Meister im Steinbildhauer-Handwerk aus.

Die gemeinnützige Karin und Joachim Prüsse Stiftung setzt sich vor allem für den Erhalt von Baudenkmälern im Braunschweiger Land ein sowie für die Kunst- und Kulturförderung. So unterhält die Stiftung Prüsse die denkmalgeschützten Kemenaten „Jakob-Kemenate“ und „Kemenate-Hagenbrücke“ in Braunschweig. Darüber hinaus wird die Arbeit der evangelischen Landeskirche und die der jüdischen Gemeinde Braunschweig gefördert.

Quelle: Pressemitteilung Stiftung Prüsse

Kunst bietet eigene Zugänge zum christlichen Glauben

 

Ein Interview mit Landesbischof Dr. Christoph Meyns

 

Mit vier monumentalen Skulpturen wird im Bereich der Landeskirche Braunschweig aus Anlass des 500-jährigen Reformationsjubiläums an die zentralen Werte der Reformation erinnert. Der braunschweigische Landesbischof Dr. Christoph Meyns spricht über die Bedeutung der Skulpturen.

 

Die steinernen Skulpturen des Künstlers Kleine-Tebbe, die die Stiftung Prüsse fördert, sollen die vier Soli Martin Luthers symbolisieren. Welche Bedeutung haben diese Grundsätze aus theologischer Sicht?

Die Begriffe Solus Christus (Allein Jesus Christus), Sola Fide (Allein aus Glauben), Sola Scriptura (Allein die Heilige Schrift) und Sola Gratia (Allein aus Gnade) machen das besondere Profil der evangelischen Kirche aus. Ihre Zuspitzung haben sie allerdings nicht in der Zeit Luthers erfahren, sondern erst später. Die Entstehung dieser Begriffe müssen wir im historischen Kontext sehen. Luther hat sie in einer Zeit geprägt, als der Ablasshandel weit verbreitet war, also die Vorstellung, der Mensch könne sich durch fromme Taten selber von Sündenstrafen befreien. Damit hat Luther aufgeräumt. Für ihn zählte nur das Vertrauen auf Gott. Daher hat die Predigt in der evangelischen Kirche eine zentrale Bedeutung. Luther war es wichtig, dass die Menschen die Predigt verstehen und sich ein eigenes Urteil bilden können. Für die theologische Auseinandersetzung sind die Soli Pflöcke oder Wahrheiten, die heute sicher auch von vielen Katholiken geteilt werden.

Viele evangelische Christen kennen die Grundsätze Luthers wahrscheinlich gar nicht. Sollen die Soli durch die Skulpturen auch Laien vermittelt werden?

Für mich sind die Skulpturen in erster Linie ein faszinierendes künstlerisches Projekt, das mehrere Dimensionen hat. Es geht nicht nur um die künstlerische Umsetzung der Soli, die Wahl der vier Standorte deutet auch auf die Kreuzes­theologie hin. Diese Kunst spricht für sich, sie entfaltet ihre Wirkung oft unbewusst und geht direkt ins Herz.

Welche Bedeutung hat das Projekt für die Landeskirche?

Wir sind sehr glücklich, dass die Stiftung Prüsse dieses Projekt umsetzt. Kunst bietet eigene Zugänge zum christlichen Glauben. Sie schöpft aus einer Freiheit, die der Protestantismus mit hervorgebracht hat. Eigenständig und ohne offiziellen kirchlichen Auftrag konfrontiert uns Magnus Kleine-Tebbe mit seinem Verständnis der reformatorischen Grundeinsichten. Damit zieht er uns hinein in einen Dialog über deren Bedeutung für uns und unser Leben heute. Das ist ein spannender Prozess, der dem Selbstverständnis der evangelischen Kirche sehr entspricht.

Was schätzen Sie besonders an dem Vorhaben?

In Zeiten von kurzfristigen Events setzen die steinernen Skulpturen von Magnus Kleine-Tebbe einen wichtigen Kontrapunkt. Die Skulpturen haben auch noch lange nach dem Reformationsjubiläum Bestand. Diese Kunst wirkt nicht kurzfristig, sondern mittel- und langfristig. Das ist auch bei der Kunst in Kirchen so, der die Menschen in unterschiedlichen Lebensabschnitten begegnen. Das Schöne an der Bildhauerei ist, dass religiöse Inhalte und Überzeugungen über einen langen Zeitraum transportiert werden. Auch die Kirche denkt in Jahrhunderten: Die Wahrheitsgehalte grundlegender Dinge ändern sich nicht von heute auf morgen.

Alle vier Standorte liegen außerhalb von größeren Orten, wäre es nicht sinnvoller gewesen, Standorte auszuwählen, die zentraler liegen, damit mehr Menschen die Kunstwerke begutachten können?

Die Wahrheit des Glaubens ist immer auch verborgen, insofern entsprechen die Standorte dem christlichen Glauben, in dem es einerseits etwas Sichtbares und Hörbares gibt, wie das Läuten der Glocken, und andrerseits etwas Verborgenes und Geheimnisvolles. Die Gemeinden können die Standorte mit Leben füllen, etwa bei einem Freiluft-Gottesdienst im Sommer.

Gibt es dazu auch Planungen der Landeskirche?

Etwas Konkretes ist noch nicht geplant. Vorstellbar wäre beispielsweise ein Gottesdienst an dem Punkt, an dem sich die Achsen des Kreuzes treffen. Oder eine Reihe von sommerlichen Andachten an allen vier Orten, um das Projekt zu würdigen.

Wird innerhalb der Landeskirche auch für die Skulpturen geworben?

Ja, zum Beispiel auf der Internetpräsenz der Landeskirche Braunschweig (www.landeskirche-braunschweig.de), die sehr viele Nutzer hat. Oder auch im Magazin der Landeskirche „Evangelische Perspektiven“. Darüber hinaus wird geprüft, ob das Projekt auch in dem geplanten Reiseführer „Orte der Reformation“ dargestellt werden kann.

Welche Aktionen sind innerhalb der Landeskirche noch für das Lutherjahr 2017 geplant?

Am Reformationstag 2017 gibt es Festgottesdienste. Von Mai bis November 2017 ist in Zusammenarbeit mit der hannoverschen Landeskirche die Ausstellung „Im Aufbruch. Reformation 1517-1617“ geplant, die in Braunschweig im Landesmuseum, in St. Aegidien und in der Brüdernkirche zu sehen ist. Dazu gibt Korrespondenzorte in Goslar und Celle.

Quelle: Stiftung Prüsse

Veranstaltungsart: Feierliche Enthüllung der vierten Skulptur Allein aus Gnade – Sola Gratia
Veranstaltungsdatum: 28. Oktober 2017
Beginn: 14.00 Uhr
Veranstaltungsort: Mönchevahlberger Straße / am Weg zum Falkenheim | 38321 Groß-Denkte
Vier Jahre lang hat der Bildhauer Magnus Kleine-Tebbe an dem Kunstprojekt „500 Jahre Reformation | Luther 2017 – Vier Skulpturen zum Reformationsjubiläum“ gearbeitet und vier außergewöhnliche, monumentale Skulpturen geschaffen, die an die zentralen Glaubensgrundsätze der Reformation, die sogenannten Soli, erinnern:

  • 2014 „Jesus Christus“ (3,25m, 4t, Oberkirchner Sandstein) bei Bienrode/BS
  • 2015 „Der Glaube“ (3,60m, 3t, Korallenoolith) bei Hornburg am Kleiner Fallstein
  • 2016 „Die Schrift“ (2,60m, 3t, Marmor) in der Nähe von Salzgitter-Lesse
  • 2017 „Die Gnade“ (3,30m, 6t, Soester Kalksandstein) an der Asse bei Groß Denkte.

Alle vier Kunstwerke haben ihren Platz (scheinbar wahllos) in der freien Natur gefunden. Aber die Standorte sind gezielt ausgewählt. Wenn man alle vier Kunstwerke aus der Vogelperspektive mit gedachten Linien verbindet, ergeben sie ein Kreuz, das sich segnend über das Braunschweiger Land legt.
Seien Sie bei der Vollendung dieses ungewöhnlichen Kunstprojekts dabei!

Stiftung Prüsse
Joachim Prüsse
Eiermarkt 1A
38100 Braunschweig
tel. 05306-959 526
j.pruesse@stiftung-pruesse.de
http://www.kemenaten-braunschweig.de/500-jahre-reformation/

Kontakt zum Ansprechpartner

12 + 9 =

Zurück zur Übersichtskarte